Beschreibung der Burg Kerpen – Aufbau, Architektur und heutiges Erscheinungsbild

Die Burg Kerpen liegt auf einem markanten Felssporn östlich des Ortes und erstreckt sich über drei große Terrassen. Mit einer Länge von rund 130 m und einer Breite von etwa 90 m gehört sie zu den eindrucksvollsten Höhenburgen der Eifel. Ihre Lage auf dem schmalen Bergvorsprung bot schon im Mittelalter hervorragenden Schutz und prägt bis heute das Bild der Anlage.

Sie ist ein faszinierendes Beispiel für die Entwicklung einer mittelalterlichen Höhenburg, die über Jahrhunderte immer wieder erweitert, zerstört und umgestaltet wurde. Ihre Mischung aus romanischen, spätgotischen und neuzeitlichen Bauteilen macht sie zu einem vielschichtigen Denkmal, das die Geschichte der Region eindrucksvoll widerspiegelt.

Der Bergfried – das Herzstück der Burg

Direkt über dem nördlichen Halsgraben erhebt sich der mächtige Bergfried, der älteste und markanteste Teil der Burg.

  • Bauweise: romanisch, aus Bruchstein
  • Grundriss: nahezu quadratisch (ca. 9 m Seitenlänge)
  • Mauerstärke: beeindruckende 3 m
  • Höhe: 23 m

Der obere Teil mit Zinnen und Gesims stammt allerdings aus dem Jahr 1896. Auch die heute sichtbare Treppe im Mauerwerk wurde damals erst eingebaut. Im Inneren sind nur noch wenige Spuren der ursprünglichen Raumaufteilung erhalten – einzig ein Tonnengewölbeansatz unter der obersten Plattform erinnert an den mittelalterlichen Zustand.

Die Oberburg – historische Reste und spätere Neubauten

Die oberste Terrasse umgibt den Bergfried. Von der mittelalterlichen Bebauung ist hier nur wenig erhalten, da viele Gebäude im 19. und 20. Jahrhundert neu errichtet wurden.

Vermutlich schloss sich südlich des Bergfrieds ein Wohnbau oder Palas an (ca. 25 × 9 m). Teile dieses Gebäudes könnten noch aus romanischer Zeit stammen, wurden aber mehrfach umgebaut. Heute ist der Innenbereich als Freifläche gestaltet.

Ein früherer Mauerring, der die Oberburg umgab, ist nur noch in Resten sichtbar. Besonders auffällig ist eine nach Osten gerichtete Ausbuchtung mit Scharten, die einst den Burgweg überwachte.

Die zweite Terrasse – Hofbereich, Rondelle und Wehrmauern

Die mittlere Terrasse dient heute überwiegend als Hoffläche. Hier finden sich:

Das große Rondell

  • Durchmesser: 11,5 m
  • Mauerstärke im Erdgeschoss: 4,5 m
  • Bauzeit: Ende 15. / Anfang 16. Jahrhundert

Dieses mächtige Geschützrondell gehört zu den spätmittelalterlichen Verstärkungen der Burg. Im Inneren befand sich ein angeblich 35 m tiefer Brunnen.

Zwingermauer und weiteres Rondell

Vom großen Rondell führt eine Zwingermauer nach Norden zu einem zweiten, kleineren Rondell (ca. 9 m Durchmesser). Dieses sicherte die Nordwestecke der Burg oberhalb der Kapelle und der ehemaligen Mühle. Hier schloss früher die Ortsbefestigung an.

Reste des „neuen Schlossgebäudes“

Auf der Hoffläche sind noch Mauerreste eines späteren Schlossbaus (11 × 19 m) sichtbar. Auch ein ehemals integrierter Turm an der Südostecke ist in Teilen erhalten. In eine moderne Garage wurden alte Fenstergewände eingebaut, die man bei Arbeiten auf dem Gelände fand.

Die Torhausanlage – eindrucksvolle Zugangssituation

An der Ostseite der Burg liegt die 24 m lange Torhausanlage, die den Zugang zur zweiten Terrasse bildet.

Sie besteht aus einem geradlinigen Weg, der von zwei spitzbogigen Torbögen begrenzt wird. Südlich davon befindet sich ein teilweise verschüttetes Gewölbe, das zu einem älteren, rundbogigen Burgtor führt. Dieser Bereich weist eine besonders komplexe Baugeschichte auf, da hier über Jahrhunderte immer wieder umgebaut wurde.

Die dritte Terrasse – heute Parkplatz

Die unterste Terrasse wird heute größtenteils als Parkplatz genutzt. Mittelalterliche Bausubstanz ist hier kaum erhalten. Ein weiteres Tor liegt östlich der Fläche, etwa 5 m unterhalb des alten Tores, eingebettet in eine teilweise erhaltene Schildmauer.

Die Aufschüttung, die die zweite und dritte Terrasse trennt, wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts angelegt und durch eine Trockenmauer gesichert.

Die spätgotische Kapelle – Bindeglied zwischen Burg und Ort

Nordöstlich der Burg steht die zweischiffige Kapelle, die kurz nach 1500 im Auftrag von Dietrich IV. von Manderscheid-Schleiden errichtet wurde. Sie diente nicht nur der Burg, sondern auch der umliegenden Siedlung.

Architekturmerkmale:

  • rechteckiger Grundriss
  • zweischiffiges Langhaus (ca. 10 × 7 m)
  • gleich hoher Kastenchor (ca. 7 × 4 m)
  • gemeinsames Satteldach mit Dachreiter
  • spätgotische Maßwerkfenster
  • Kreuzrippengewölbe im Langhaus
  • aufwendiges Sterngewölbe im Chor

Besonders bemerkenswert sind die Schlusssteine im Chor:

  • Madonna mit Kind
  • Wappen Kerpen-Sombreff
  • Wappen Manderscheid-Blankenheim

Diese Gestaltung deutet darauf hin, dass die Seitenräume möglicherweise als Herrschaftsloge genutzt wurden.