Die Geschichte der Burg Kerpen

Von der Ritterburg zur romantischen Ruine

Ein Ort mit langer Tradition

Die Geschichte der Burg Kerpen reicht fast 900 Jahre zurück und erzählt von Ritterfamilien, Machtkämpfen, Zerstörungen und Wiederaufbau. Heute ist sie ein eindrucksvolles Denkmal, das die wechselvolle Vergangenheit der Region sichtbar macht.

Die ersten Herren von Kerpen (12. Jahrhundert)

Die Adelsfamilie von Kerpen erscheint erstmals im Jahr 1136 in den Quellen. Damals wird ein Sigibertus de Kerpene erwähnt, der vermutlich zu den Erbauern der ersten Burganlage gehörte.

Ob die frühen Erwähnungen sich auf die heutige Burg oder auf eine der älteren Anlagen in der Umgebung beziehen, ist nicht eindeutig geklärt. Sicher ist jedoch: Spätestens 1173 existierte ein „novum castrum de Cherpene“, das als Vorgänger der heutigen Burg gilt.

Die Familie stiftete um 1175 das Nonnenkloster Niederehe, das zeitweise als Grablege diente.

Vom Familiensitz zur Ganerbenburg (13.–14. Jahrhundert)

Im Laufe des 13. Jahrhunderts gerieten die Herren von Kerpen in die Lehensabhängigkeit des Erzbistums Köln.

Als sich die Familie in mehrere Linien aufspaltete, wurde die Burg zur sogenannten Ganerbenburg: Mehrere Familienzweige besaßen sie gemeinsam.

Im 14. Jahrhundert wechselten die politischen Bindungen mehrfach zwischen Köln und Trier. Die Burg war strategisch wichtig und diente zeitweise sogar als Offenhaus, also als militärisch nutzbare Anlage für den jeweiligen Landesherrn.

Die Zeit der Sombreff und Manderscheid (15.–16. Jahrhundert)

1451 übernahm der belgische Adelige Wilhelm von Sombreff die Burg und vereinte erstmals alle Anteile in einer Hand. Unter seiner Familie wurde die Herrschaft Kerpen deutlich ausgebaut.

Nach dem Aussterben der Sombreff-Linie gelangte die Burg 1506 durch Heirat an die Grafen von Manderscheid-Schleiden – eine der bedeutendsten Adelsfamilien der Eifel.

Doch auch hier blieb es nicht ruhig: Nach dem Tod Dietrichs VI. von Manderscheid 1593 kam es zu Erbstreitigkeiten und militärischen Auseinandersetzungen. Mehrere Adelsfamilien beanspruchten die Burg, und es kam sogar zu einem gescheiterten Sturmangriff mit rund 300 Mann.

Kriege, Besetzungen und Zerstörungen (17. Jahrhundert)

Im 17. Jahrhundert wurde die Burg mehrfach besetzt und verwüstet. Besonders einschneidend war die Zerstörung durch französische Truppen 1682/83. Zeitgenössische Berichte schildern, wie große Teile der Anlage gesprengt wurden.

1689 folgte eine weitere schwere Beschädigung. Zwar gab es Pläne zum Wiederaufbau, doch sie wurden nie vollständig umgesetzt. Die Burg blieb fortan teilweise ruinös.

Bis zur Französischen Revolution blieb Kerpen im Besitz der Herzöge von Arenberg.

Vom Steinbruch zur Künstlerburg (19.–20. Jahrhundert)

Nach 1803 wurde die Burg verkauft und zeitweise als Steinbruch genutzt – ein Schicksal, das viele Burgen der Region teilten.

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann man, den historischen Wert der Anlage wiederzuentdecken. Der neue Besitzer Johann Heinrich Dhün ließ die Ruine sichern und teilweise neu gestalten.

1911 kaufte der Eifelmaler Fritz von Wille die Burg. Er baute ein Atelier, führte umfangreiche Sicherungsmaßnahmen durch und prägte damit das heutige Erscheinungsbild der Anlage entscheidend.

Nach seinem Tod 1941 nutzte die Firma DEMAG die Burg als Schulungsheim. Später wurde sie vom Kreis Grevenbroich übernommen und als Landschulheim betrieben.

Die Burg heute

Nach mehreren Besitzerwechseln befindet sich die Burg heute in privater Hand. Trotz zahlreicher Umbauten und Restaurierungen ist ihr mittelalterlicher Kern noch gut erkennbar. Die Anlage erzählt eindrucksvoll von der langen Geschichte der Region – von Rittertum und Fehden über Kriegszerstörungen bis hin zur romantischen Wiederentdeckung im 19. Jahrhundert.